Updates aus dem Weingarten – Ernte mit Piri Naturel

DIE ERNTE MIT PIRI NATUREL

Oft fühlt es sich so an, als würden unsere Weine zu irgendeinem willkürlichen Zeitpunkt im Kalenderjahr einfach auftauchen. Dann gibt es endlich wieder mehr von unseren persönlichen Lieblingsweinen. Doch was steckt dahinter? Wie ging es den Trauben beim Reifen an den Rebstöcken? Und welche Arbeiten müssen unsere Winzerinnen und Winzer über das Jahr hinweg absolvieren, um uns zum Schluss so wunderschöne Weine liefern zu können?

Zu diesen Themen tauschen wir uns auch immer gerne mit unseren Winzer*innen aus. Wir wollen euch diese Infos nicht vorenthalten und euch auch an den Backstage-Infos der 8gb.-Rockstars teilhaben lassen.

In der nächsten Geschichte unserer Serie Updates aus dem Weingarten geht es um die Ernte, die bei den Winzer*innen auch als Höhepunkt des Jahres bekannt ist. Um mehr darüber zu erfahren, hatten wir ein sehr interessantes und aufschlussreiches Gespräch mit Christine Pieroth aka. Piri Naturel – und die hat uns eindeutig Lust gemacht, ihr nächstes Jahr bei der Ernte zu helfen.

Hast du unser letztes Update aus dem Weingarten verpasst? Keine Sorge, du kannst hier in unseren Chat mit Jonas Brand über Grünarbeit einsteigen.

Ernte was?

Was genau fällt in die Ernte? Lass es dir von Piri erzählen:

„Bei der Ernte werden die Trauben gelesen. Wochenlang werden wir im Weinberg sein und ohne Unterbrechung ernten. Das ist eine sehr intensive Phase. Wir arbeiten das ganze Jahr auf dieses eine „Ereignis“ hin und es ist sozusagen der Höhepunkt im Jahr eines Winzers. Das Sprichwort, dass man die Früchte seiner Arbeit erntet, ist wirklich bildlich gemeint.“

Wir lieben Highlights! Aber wir haben auch Tausende von Fragen. Woher wissen die Winzer*innnen, welche Trauben geerntet werden sollen? Werden die Trauben bereits im Weinberg sortiert? Welche Rolle spielt das Wetter? Was sind die größten Herausforderungen? Und natürlich: Welche Arbeiten gibt es neben der Ernte noch zu erledigen? Wir haben Piri alles gefragt!

Wann findet überlicherweise die Ernte statt?

Je nach Region und geografischer Lage der einzelnen Weinberge kann die Ernte bereits im August oder erst im Oktober beginnen. Jeder Zeitpunkt bringt eine Reihe von Herausforderungen mit sich, denen die Winzer*innen nachkommen müssen, um jedes Jahr das Beste aus ihren Reben herauszuholen.

Bei Piri Natural beginnt die Weinlese für einen Teil der Trauben Ende September, aber richtig los geht es im Oktober.

Piri: Wir fangen ein bisschen später an als andere Winzer*innen. Wir sind zwar nicht so weit voneinander entfernt, aber wir liegen doch etwas nördlicher als die anderen und sind auch der nördlichste Zipfel des Anbaugebiets Nahe. Und dann sind wir im Anbaugebiet mit höheren Höhenmetern und wir merken schon eine deutlich spätere Reife der Trauben. Das gleicht sich zum Teil wieder aus durch sehr niedrige Erträge in den Weinbergen, aber an sich ist das der Grund, warum wir erst im Oktober mit der Ernte beginnen.

Wie bereiten sich Winzer*innen auf die Ernte vor? Wie weiß Piri, wann es Zeit zu lesen ist?

Abhängig von der Rebsorte, dem Klima und dem Standort der Reben kann ein Winzer auf einen Werkzeugkasten aus Können, Erfahrung, Bewusstsein und Wissenschaft zurückgreifen, um zu entscheiden, wann es Zeit ist, die Trauben zu ernten.

Das Faszinierendste in dieser Phase ist, dass je nach Standort einige Trauben desselben Weinbergs früher oder später geerntet werden, weil ihr Reifestadium nicht so schnell erreicht wird wie das der anderen.

Je nach Stil, den die Winzer*innen für ihren Wein erreichen wollen, können die Trauben auch vor der Vollreife geerntet werden (das bedeutet mehr Säure im Wein) oder lange nach der Vollreife.

Winzer*innen können sich auf Oechsle-Metriken (Messung von Zucker und pH-Wert) verlassen, aber wie Piri sagt, gibt es mehr als nur wissenschaftliche Fakten.

Piri: Die eigentliche Entscheidung, wann was geerntet wird, richtet sich nach Geschmack und Reifegrad. Optik und Geschmack bestimmen. Vieles geht nach Gefühl und auch Erfahrungen, die man einfach im Laufe der Jahre gesammelt hat. Aber ich würde sagen, die Verkostung ist das Wichtigste. 2018 war ein tolles Beispiel. Die ganzen Werte, die man messen konnte, deuteten darauf hin, dass die Trauben längst erntereif waren. Aber für mich fehlte noch der Geschmack. Wir haben beschlossen, gezielte Trauben hängen zu lassen und andere früher zu ernten. Und das hat wirklich den Unterschied gemacht. Wenn sich die wirklichen Aromen nicht entwickelt haben, kann man sich nicht wirklich auf Werte verlassen, die durch ein Buch diktiert werden. Zucker und Säure sind eine Sache, aber die wirklichen Aromen entwickeln sich auch separat.

Auf den folgenden Bildern kannst du den Unterschied zwischen einer reifen, erntereifen Traube (links) und einer Traube, die mehr Zeit braucht (rechts), erkennen.

harvest-mit-piri-erntengrad-der-reben

Wie viele Menschen braucht es für die Weinlese? Wie wird die Qualität sichergestellt?

Die Ernte ist eine Menge Arbeit. Die Größe des Teams hängt von der Größe des Weinbergs und des Weinguts ab. Unseres Wissens haben einige Winzer wie die Brand Bros ein Team von 50 Personen, die bei der Ernte helfen, andere größere Weingüter haben vielleicht mehr; kleine Weinbaubetriebe brauchen vielleicht weniger Helfer*innen.
Es ist auch interessant zu sehen, dass das Team eine bunte Mischung werden kann (je nach Größe) aus Familienmitgliedern, Freund*innen, bezahlten Mitarbeitenden, die das professionell machen, aber auch Leuten, die aus Interesse am Handwerk helfen wollen (Studenten oder Leute wie wir aus der Weinszene).

Piri: Also wir sind fest 7-8 Leute im Weinberg. Auch wirklich bunt durchgewürfelt, jung und alt. Zum Teil Leute die zum 30. Jahr in die Weinlese gehen, aber auch Schüler die am Wochenende auch mitgehen oder Jugendliche aus dem Dorf. Im Keller bin hauptsächlich ich, aber da habe ich aber auch dieses Jahr wieder Support von ein gutem Freund, der die ganze Weinlese über da ist. Also insgesamt vielleicht 10 Leuten, die irgendwie alle mit rumwuseln.

Wie wird dann die Qualität sichergestellt?

Wir fragen uns nun, wie die Qualität gesichert werden kann? Wir haben uns überlegt, ob wir in der Lage wären, zu identifizieren, welche Trauben es in den Wein schaffen und welche wir da hängen lassen sollten. Besteht hier Gefahr, die Qualität der Weine zu beeinträchtigen?

Einige Weingüter selektieren die Trauben direkt bei der Ernte und führen eine weitere Selektion durch, sobald die Trauben im Weingut ankommen. Andere nehmen die Auslese direkt an den Rebstöcken vor und lassen unerwünschte Trauben auf dem Boden verrotten.

Bei großen Teams müssen einige Winzer*innen einen oder mehrere Briefings vornehmen und dem Team genau zeigen, was sie ernten sollen und was nicht. Wie man Fäulnis und Krankheiten unterscheidet, die je nach Rebsorte sehr unterschiedlich sein können. Jess erzählte uns sogar, dass Pauline von Glow Glow manchmal schon am Geruch der Trauben erkennen konnte, dass sie nicht zu ernten waren – eine geschulte Nase: denn das Ernteteam konnte es nicht erkennen.

Piri: Ich denke, dass man sehr schnell ein Gefühl dafür bekommen kann. Wenn wir neue Leute haben, die nicht im Team sind, erkläre ich es einfach, zeige es jedem und wenn jemand Fragen hat, kann er fragen und ich zeige es noch einmal. Aber ich denke, im Allgemeinen haben die Leute es schnell verstanden. Auch die Leute, die schon eine Weile dabei sind, haben schon ein Auge und ein Gefühl dafür. Und natürlich: Man kann immer probieren und wenn es nicht so schmeckt, dass man es essen würde, dann sollte man es wahrscheinlich auch nicht ins Glas tun.

Was sind typische Herausforderungen bei der Ernte, vor allem wenn man so spät anfängt?

Das ganze Jahr über spielt das Wetter eine riesige Herausforderung für Winzer*innen. Frost, Regen, Schnee im Frühling, Hagel, Hitze im Sommer… Faktoren, die Winzer*innen nicht kontrollieren können und sich drauf einlassen müssen. Piri erklärt warum:

Piri: Das Wichtigste ist eigentlich das Wetter. Es ist eigentlich das ganze Jahr über unsere größte Herausforderung und es muss irgendwie mitspielen. Wenn wir kurz vor der Ernte plötzlich 4 Wochen Regen bekommen, dann wäre das eine echte Katastrophe. Das Jahr kann so gut gelaufen sein, aber wenn es am Ende vier Wochen lang regnet, dann kann das alles zunichte machen. Die Trauben werden mit Wasser vollgesaugt und können platzen, bevor sie überhaupt geerntet werden oder bevor sie überhaupt richtig reif sind.

Die Lage spielt aber auch eine Rolle.

Piri: Dann kommt bei uns noch hinzu, dass wir sehr steile Weinberge haben und da braucht man einfach sehr viel Arbeitskraft. Natürlich braucht man die auch in den flachen Weinbergen, aber wo es steil ist, ist es einfach sehr zeitaufwendig. Wir haben Weinberge, wo wir nicht mit dem Traktor reinfahren können und wenn die Ernte sehr lange dauert oder sich wetterbedingt verzögert, muss man hoffen, dass man die Arbeitskraft noch hat. Dass wir einfach genug Leute sind, die einfach da sind.

Geht es bei Ernte wirklich nur ums Lesen der Trauben?

Bei der Ernte geht es nicht nur um das Lesen der Trauben. Zu diesem Zeitpunkt setzen die Winzer*innen und ihre Teams auch den gesamten Prozess der Weinherstellung in Gang. Einige Trauben werden zum Beispiel schnell gepresst, weil die Schalen nicht entfernt werden müssen.

Andere Trauben werden mit den Füßen gestampft, damit die Mazeration/Extraktion der Aromastoffe aus den Schalen erfolgen kann. Je weiter die Ernte fortgeschritten ist, desto mehr werden die Trauben gepresst, der größte Teil wird zur Gärung in Fässer umgefüllt und so weiter.

Piri stampft die Trauben bei Harvest

3 Fragen an Piri

8gb – Wenn du jetzt sehen würdest, dass für die nächsten vier Wochen Dauerregen geplant ist, wie würdest du reagieren? Was würdest du im schlimmsten Fall tun, um deine Weine zu retten?

Piri: Also je nachdem, wo wir uns in der Reife befinden, würde ich vielleicht entscheiden, manche Weinberge schon so schnell wie möglich zu ernten und andere würde ich vielleicht noch herauskitzeln und schauen ob es wirklich so schlimm ist wie erwartet oder … da muss man schauen; aber ich würde sagen, tendenziell schon zügig ernten.

8gb – Weißt du schon vor der Lese was du mit deinen Weinen vor hast, was du aus den Trauben machen wirst, oder entscheidest du nach der Lese?

Piri: (lacht). Naja, ich habe schon eine Idee im Kopf, eine klare Richtung. Die hat wahrscheinlich jede Winzerin, einfach was so ihre Stilistik ist, was man machen möchte, was man selber gerne trinkt. Aber trotzdem entscheidet man dann manchmal auch spontan. Vieles bei uns wird als ganze Trauben angegoren und da wird auch täglich probiert, und da entscheide ich sehr nach Geschmack, ob wir z.B. noch heute abpressen oder ob wir das zwei Tage auf der Maische lassen. Also kurz gefasst: Vieles entscheide ich spontan, aber ich habe schon eine generelle Vorstellung, was wir machen möchten.

8gb – Hast du was Neues geplant für die nächsten Jahrgänge?

Piri: Also die Stilistik bleibt auf jeden Fall: Das ist einfach, was ich gerne mache und was gut zu unserer Lage passt. Aber für mich kommen ein paar Weinberge noch hinzu, die meine Eltern zuvor an die Genossenschaft abgegeben hatten. Das heißt, ich habe jetzt nochmal ein oder zwei andere Lagen, die zwar irgendwie neu sind, die wir lange schon bewirtschaften – d.h., ich kenne die Trauben schon sehr gut, und ich freue mich auf die neuen Weine, die dadurch in die Piri-Familie kommen.

Vielen Dank Piri, dass du dir die Zeit genommen hast und uns Einblicke in deine Arbeit geben konntest!

Hast du auch Durst bekommen? Hier geht es zu den wunderschönen Weinen von Piri Naturel! Noch mehr Harvest Stories? Hier findest du die von Anne, Jess und Philipp.

Von Oriane Dinse in Naturwein 101, gepostet am 14.10.2021