Was sind Naturweine?

Was sind Naturweine?

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This year will be the year of: Naturwein

Glaubst Du, Naturweine sind nur etwas für “Hipster”, die sich profilieren wollen? Da müssen wir dich leider enttäuschen. Der Ursprung von diesen Wein ist in einer sehr alten Tradition verankert… und zwar einer georgische Tradition.

In Georgien werden Naturweine seit 8000 (ja, 8000!) Jahren angebaut. Dort ist es kein Trend, sondern gehört einfach zum Alltag mit dazu. Etwas überzogen ausgedrückt: Brauchst Du Gemüse? Dann hast Du einen Gemüsegarten. Trinkst Du gerne Wein, baust Du Reben im Garten an. Und das ganz ohne industrielle Hilfe oder sonstigen Schnickschnack. Diese traditionelle Lebenseinstellung ist stark mit der Natur verbunden: Ein natürliches Produkt im ursprünglichen Sinne.

Eine naturnahe Lebenseinstellung

Und es ist dieselbe Lebenseinstellung, die sich in der Welt der Naturweine generell zeigt. Denn seit ein paar wenigen Jahrzehnten ist Naturwein auch im Rest der Welt angekommen. Zwar noch nicht komplett und definitiv nicht überall, aber dafür mit umso mehr Wumms. Wir leben hier einer kleinen Wein-Revolution bei – einer Revolution der georgischen Weintradition!

Ja klar, die Labels sind cool. Aber Naturwein ist kein weiterer Hipster-Trend oder abstruse Esoterik. Es ist eine Bewegung in ihrer pursten Form, die ihren Ursprung in der Natur, bei den Winzer*innen hat, und nicht in kosmopolitischen Weinbars. Ein Wunsch, so nah wie möglich an der Natur zu sein, und diese in die Flasche zu zaubern.

Wenn Du alles über Naturweine wissen willst, dann lies weiter. 8greenbottles sagt Dir, was es mit Naturwein auf sich hat, warum sie gewissermaßen das coole Gegenstück zu konventionellen Weinen sind und wo Du sie überhaupt findest (spoiler: bei uns).

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Was bedeutet Naturwein?

Der Begriff “Naturwein” möchte Weine dieser besonderen Gattung von konventionellen Weinen abgrenzen. Es ist ein Versuch, etwas zu erfassen, was schwer zu definieren ist. Manche Winzer*innen akzeptieren das neue Label, andere finden es nicht angemessen.

Denn es ist so: Manche Winzer*innen produzieren schon seit Jahrzehnten Naturweine, ohne jemals ein Wort darüber verloren zu haben. Für sie ist es einfach guter Wein. Vielleicht hast Du also schon mal einen Naturwein getrunken, ohne es zu wissen.

Wein ist per se nicht natürlich. Die Definition von „natürlich“ ist mit „das, was direkt aus der Natur kommt“ gut umschrieben. Ohne menschliches Zutun wäre es jedoch unmöglich, Wein zu erzeugen, sondern höchstens Essig.

Die Low-Intervention Philosophie

Es ist aber gerade die Philosophie der Naturweine, Weine mit einem Minimum an menschlichen Eingriffen zu produzieren. “Low-intervention” wird das auch gerne genannt. Heute gibt es auf deutscher oder europäischer Ebene keine Gesetze oder Verordnungen zur Definition von Naturwein. Nur eine (oft implizite) Vereinbarung zwischen Winzer*innen, Händler*innen und ein Vertrauen gegenüber den Fans.

Regeln, die nicht festgeschrieben sind, an die man sich aber innerhalb der Szene hält.

Naturweine sind Weine, wie Du sie nie zuvor probiert hast. Und das kannst Du eben auch sehen, riechen und schmecken. In einem Wort: Jeder Naturwein ist einzigartig.

Ein Versuch, Naturwein zu beschreiben, wäre zu sagen, dass es Wein in seiner reinsten Form ist. Echt, wild, und ein wenig abenteuerlich. Kurz gesagt, ein „nackter“ Wein, der nicht schummelt, ohne Chemie, ohne Make-up. Ein Unikat leidenschaftlicher Winzer und Winzerinnen, die möglichst auf alle technischen und chemischen Hilfsmittel verzichten.

Wie wird Naturwein hergestellt? Always unfiltered, please!

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Seine Reinheit macht den Naturwein relativ anspruchsvoll in der Herstellung und erfordert ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl. Denn bei der Entstehung ist der Naturwein weitgehend sich selbst überlassen. Eine klare Definition über was einen Naturwein auszeichnet gibt es nicht. Aber Naturweinkenner einigen sich über sechs wesentliche Kriterien für die Bezeichnung „Naturwein“:

1. Biologischer oder biodynamischer Anbau

Die Winzer*innen arbeiten im Weinberg nach biologischen oder biodynamischen Richtlinien. Die allermeisten Naturweine tragen auch die dazugehörigen Zertifikate. Besonders niedlich finden wir, dass im Weinberg oft Schafe zum Mähen eingesetzt werden.

2. Handlese

Bei der Ernte unterscheiden die Winzer zwischen maschinengestützter Lese und Handlese. Konventionelle Winzer*innen (nicht alle) greifen öfters zur maschinelle Ernte. Die Vorteile? Die Arbeit ist viel schneller und billiger. Aber sie hat auch Nachteile: Es kann nicht kontrolliert werden, dass nur die allerbesten Trauben im Fass landen. Alle Naturwinzer setzen auf die Handlese: Winzer*innen pflücken jede Traube von Hand und prüfen, ob sie den Anforderungen an den Wein entspricht. Dieser Prozess schont die Reben und garantiert, dass nur die besten Trauben in den Wein kommen.

3. Spontangärung

Anders als bei konventionellen Weinen, die bekanntermaßen kontrolliert mithilfe von Reinzuchthefen zur Gärung gebracht werden, setzt die Gärung bei Naturwein spontan ein. Wilde Hefen (Naturhefen, Umwelthefen) sind dafür verantwortlich.

4. Verzicht auf/ oder nur minimale Filtration

Verantwortlich für den trüben Look und den Geschmack des Naturweins: Feine Partikel, zum Beispiel von Feinhefe, bleiben dadurch enthalten und werden mitgetrunken.

5. Keine Schönungsmittel

Wie der Name schon sagt: Damit soll herkömmlicher Wein optisch “schön” bzw. klar gemacht werden. Bei Naturwein wird auf dieses künstliche Verfahren verzichtet, sodass er Enzyme, Proteine und andere Stoffe bis zum Schluss enthält.

6. Verzicht auf/ minimale Zugabe von Schwefel

Hier sind sich Weinexpert*innen einig: Geringer Schwefelgehalt ist unverzichtbar für einen echten Naturwein. Konventionell hergestellte Weine werden durch zusätzlichen Schwefel konserviert. Naturwein lebt hingegen stets in der Flasche weiter. We like!

Naturwein = Biowein? Nope, my friend.

Okay, die Vermutung liegt nahe – aber ganz so einfach ist die Sache leider nicht. Ein Naturwein sollte mindestens Bio-Richtlinien entsprechen (auch wenn manche Weingüter sich nicht zertifizieren lassen).

Wie oben bereits beschrieben, erfolgt der Anbau eines Naturweins nach biologischen Richtlinien. Immer. Doch nicht jeder Biowein ist ein Naturwein. Wie wir jetzt wissen, gehört zum Naturwein noch mehr dazu!  Bitte verwende die Begriffe also nicht synonym.

Bio… Biodyna-what?

Außerdem sollte man zwischen biodynamisch und biologisch angebautem Wein unterscheiden. Ein Naturwein mit biodynamische Zertifizierung ist mit Sicherheit auch biologisch, während ein Bio-Wein nicht unbedingt biodynamisch sein muss.

Das Ziel des biologischen Weinbaus ist es, die Umwelt zu schonen, indem auf den Einsatz von Chemikalien im Weinberg und im Weingut verzichtet wird.

Der biodynamische Ansatz geht über den Bio-Landbau hinaus. Hier ist das Ziel der Winzer*innen, im Sinne einer Kreislaufwirtschaft eine optimale Umgebung für die Reben zu schaffen. Es ist kein Hokuspokus, sondern einfach eine achtsame Landwirtschaft.

Orange Wine aka skin-contact wine: Naturwein at its best

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Hast Du schon mal von Orange Wine gehört? Nicht? Dann wird es höchste Zeit. Oranger Wein stellt eine spezielle Form von Naturwein dar und erobert die Weinwelt gerade im Flug. Wir haben den Orange Wine schon fest in unsere Herzen geschlossen. Das ist auch kein Wunder, denn bei dem maischevergorenen Weißwein handelt es sich um etwas wirklich Besonderes – einen dunkelgelben Weißwein, der wie ein Rotwein hergestellt wird. Mit Traubenhaut und oft im Holz. Sowas muss man erstmal finden. Wie das schmeckt … nimm Deine Besties mit auf Streifzug and give it a try!

Aber warum jetzt noch mal Naturweine?

Naturwein ist einfach guter Wein. Vielleicht schmeckt er am Anfang nicht allen. Aber er ist gewiss kein Elixier aus fremden Welten, vor denen Du zurückschrecken musst. Ganz im Gegenteil: Wer Naturweine einmal für sich entdeckt hat, der kann und will sie nicht mehr missen. (Versprochen!) Und auf einen Versuch kannst Du es ja ankommen lassen, oder? Na also.

How to fall in love with Naked Wine

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Na los, probieren! Ein paar Tipps für Beginners vielleicht? Here you go: Sehr beliebt ist der Puszta Libre von Claus Preisinger: ein leichter, gekühlter (!) Rotwein. Oder darf’s etwas Sprudeliges sein? Dann bitte den Pet-Nat von den Brand Bros? Tropisch und fruchtig (aber nein, gar nicht süß) ist der Riesling von der wunderbaren Piri. Extra-Tipp: Gleich alle drei kaufen!

Von Ramona & Oriane in Naturwein 101, gepostet am 10.09.2018, update am 05.02.2021