Zum Hauptinhalt
Was ist Naturwein

Was ist Naturwein?

Naturwein ist nur was für Hipster? Nein, stimmt nicht! Dieses Getränk hat ganz schön Geschichte und noch mehr Geschmack! Hier verraten wir dir 6 Dinge, die du über Naturweine wissen musst (und noch vieles mehr).

Mittlerweile braucht es kein Adlersauge mehr, um in den hippen Bars und Restaurants Naturweine zu entdecken. Die Nachfrage steigt stetig, doch Naturwein gibt es nicht erst seit ein paar Jahren. Na, und woher stammt denn nun Naturwein? Und was ist es überhaupt? Schnapp dir ein gutes Gläschen, wir erklären es dir.

Ein natürlicher Schritt zurück

Wein wird schon seit tausenden von Jahren von Menschen produziert. Um die 8000 Jahre um genau zu sein. Für den Großteil dieser Zeit war die Weinherstellung denkbar einfach. Man nimmt Trauben, zerquetscht sie bis der Saft rauskommt und wartet darauf, dass die atmosphärischen Hefen anfangen, den Fruchtzucker der Trauben in Alkohol zu verwandeln. Das ist ungefähr so, wie beim Sauerteig wo ja auch keine Hefe hinzugefügt wird, sondern die Gärung natürlich startet. Ja, und sobald dieser Prozess abgeschlossen ist, wird der Wein an einem kühlen, dunklen Ort gelagert und früher oder später konsumiert. Prost!

 

Quantität über Qualität… oder so

Rund um das 20. Jahrhundert kam dann die industrielle Wende und auf einmal konnte ein Weingut mithilfe von Traktoren und Ähnlichem viel größere Mengen an Trauben kultivieren und ernten. Aber diese Weiterentwicklung beschränkte sich nicht nur auf die Weingärten. Mithilfe von kultivierten Hefen, Enzymen, Vitaminen, etc. konnte man nun den Wein auch in der Herstellung beeinflussen und zu dem machen, was sich der/die Winzer*in im Endprodukt wünscht. Danach wird das ganze noch filtriert, damit es besser aussieht, und verkauft. Das war also sozusagen der Start der Massenproduktion von Wein.

Doch, nicht alle Winzer*innen waren ganz so überzeugt davon und haben stattdessen auf natürliche Herstellungsmethoden gesetzt. So wenig Intervention als möglich, lautet das Motto der Gegenbewegung. Diese ist in den 1980ern in den unterschiedlichsten Weinregionen aufgekommen, vom Beaujolais bis zur Italienisch-Slovenischen Weingegend. Wobei es immer schon Winzer*innen gab, die von der industriellen Weinherstellung Abstand hielten und auf Natur setzten. Auch schon vor dem Begriff “Naturwein”.

Naturwein, Natural Wine, Vin Naturel & Vino Naturale

Aus diesen kleinen Naturwein-Gruppierungen entstand eine immer größere Bewegung und eine Frage mit der sich all diese Produzent*innen und Liebhaber*innen immer schon auseinandergesetzt haben stellt sich auch heute noch: Was macht denn eigentlich einen Naturwein aus?

Grüner, wüchsiger Weingarten bei den rennersistas, naturwein

Der Begriff ist etwas tricky. Lässt er uns doch tatsächlich vermuten, dass Wein ganz “natürlich” ist. So ganz klappt das aber nicht, weil bis dato hat sich noch keine Traube dazu entschieden von alleine in den Tank zu hüpfen, sich zu zerquetschen und zu Wein zu werden.

 

Naturwein: Low in intervention, high in nature

Es braucht also immer menschliche Intervention, um aus den Trauben an der Rebe zum Endprodukt Wein zu kommen. Die Frage ist allerdings, wie viel Intervention man zu lässt. Naturwein wird daher auch als “low intervention” Wein bezeichnet, weil die Winzer*innen versuchen, so wenig wie möglich einzugreifen und den natürlichen Prozess nur da zu beeinflussen, wo es auch wirklich nötig ist.

Ein Versuch, Naturwein zu beschreiben, wäre zu sagen, dass es Wein in seiner reinsten Form ist. Echt, wild, und ein wenig abenteuerlich. Kurz gesagt, ein “nackter” Wein, der nicht schummelt, ohne Chemie, ohne Make-up. Ein Unikat leidenschaftlicher Winzer und Winzerinnen, die möglichst auf alle technischen und chemischen Hilfsmittel verzichten.

 

Leben im Glas

Diese minimalistische Art Wein zu machen wirkt sich natürlich auch auf den Geschmack vom fertigen Wein aus. Plötzlich tun sich ganz neue Geschmackswelten auf. Ganz besonders zeigt sich das beim sogenannten “Orangewein“: einem Weißwein, der jedoch wie ein Rotwein ausgebaut wird. Der Wein ist lebendig, die Geruchs- und Geschmackspalette um so vieles bunter und das Endprodukt meistens ein echtes Unikat. Genau das ist Naturwein.

Wie wird Naturwein hergestellt? 6 wichtige Punkte!

Seine Reinheit macht den Naturwein relativ anspruchsvoll in der Herstellung und erfordert ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl. Denn bei der Entstehung ist der Naturwein weitgehend sich selbst überlassen. Eine klare Definition über was einen Naturwein auszeichnet gibt es nicht. Aber Naturweinkenner einigen sich über sechs wesentliche Kriterien für die Bezeichnung „Naturwein“:

1. Biologischer oder biodynamischer Anbau

Die Winzer*innen arbeiten im Weinberg nach biologischen oder biodynamischen Richtlinien. Die allermeisten Naturweine tragen auch die dazugehörigen Zertifikate. Besonders niedlich finden wir, dass im Weinberg oft Schafe zum Mähen und Düngen eingesetzt werden.

2. Handlese

Bei der Ernte unterscheiden die Winzer zwischen maschinengestützter Lese und Handlese. Konventionelle Winzer*innen (nicht alle) greifen öfters zur maschinelle Ernte. Die Vorteile? Die Arbeit ist viel schneller und billiger. Aber sie hat auch Nachteile: So eine Lesemaschine ist ganz schön schwer und verdichtet bei der Fahrt durch den Weingarten den Boden. Somit wird die Diversität im Weingarten eingeschränkt. Alle Naturwinzer setzen auf die Handlese: Winzer*innen pflücken jede Traube von Hand und prüfen, ob sie den Anforderungen an den Wein entspricht. Dieser Prozess schont die Reben und garantiert, dass nur die besten Trauben in den Wein kommen.

3. Spontangärung

Anders als bei konventionellen Weinen, die bekanntermaßen kontrolliert mithilfe von Reinzuchthefen zur Gärung gebracht werden, setzt die Gärung bei Naturwein spontan ein. Wilde Hefen (Naturhefen, Umwelthefen) sind dafür verantwortlich.

4. Verzicht auf/ oder nur minimale Filtration

Verantwortlich für den trüben Look und den Geschmack des Naturweins: Feine Partikel, zum Beispiel von Feinhefe, bleiben dadurch erhalten und werden mitgetrunken.

5. Keine Schönungsmittel

Wie der Name schon sagt: Damit soll herkömmlicher Wein optisch “schön” bzw. klar gemacht werden. Bei Naturwein wird auf dieses künstliche Verfahren verzichtet, sodass er Enzyme, Proteine und andere Stoffe bis zum Schluss enthält.

6. Verzicht auf/ minimale Zugabe von Schwefel

Hier sind sich Weinexpert*innen einig: Geringer Schwefelgehalt ist unverzichtbar für einen echten Naturwein. Konventionell hergestellte Weine werden durch hinzugefügten Schwefel konserviert. Naturwein lebt hingegen stets in der Flasche weiter. We like!

Schottische Hochlandrinder bei Michael Gindl, naturwein
Gesunder Weinberg, Naturwein

3 FAQs zu Naturwein

Schmecken Naturweine anders als herkömmliche Weine?

Oftmals schmecken Naturweine tatsächlich etwas anders als herkömmliche Weine: nämlich interessanter, wilder and vielschichter. Typischerweise riechen sie auch intensiver und herber — davon aber bitte nicht abschrecken lassen! Vergleichen kann man das auch mit dem Unterschied zwischen einem filtrierten, pasteurisierten Apfelsaft aus dem Supermarkt und einem ganz frisch gepressten. Klar gibt es da Unterschiede!

Ist nicht jeder Wein ein Naturwein?

Nein, herkömmlicher Wein wird zwar auch als Trauben hergestellt, wurde typischerweise aber stark behandelt. Die meisten Weine werden geschönigt, filtriert und enthalten eine Menge an Zusatzstoffen. Bei Naturweinen ist das anders: Da wird ganz spezifisch darauf geachtet, dass im Ausbau nur ganz minimal interveniert wird.

Ist Naturwein und Biowein das Gleiche?

Nein. Ein Naturwein sollte mindestens Bio-Richtlinien entsprechen, aber umgekehrt ist nicht jeder Biowein ein Naturwein. Was beim Naturwein nämlich noch zusätzlich hinzukommt ist, dass der Wein nicht filtriert und geschönigt wird und dass kein oder nur ganz wenig Schwefel hinzugefügt wird.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert